Jede Maschine in einer modernen Fertigung erzeugt Daten. Betriebsstunden, Temperaturen, Taktzahlen, Fehlercodes. Millionen Datenpunkte, jeden Tag, in tausenden Betrieben.
Der Schatz ist längst da. Was bisher fehlte, war die Infrastruktur, ihn zu heben, ohne dabei die Kontrolle abzugeben.
Genau das ändert sich gerade. Nicht durch eine einzelne Technologie, sondern durch ein Zusammenspiel aus offenen Standards, neuen Regulierungen und einer Industrie, die verstanden hat, dass Daten kein Selbstzweck sind. Sie sind die Grundlage für Services, für neue Geschäftsmodelle und für eine Wettbewerbsfähigkeit, die nicht mehr allein am Produkt hängt.
Datenräume sind föderierte Infrastrukturen für den sicheren und kontrollierten Austausch von Industriedaten. Unternehmen behalten dabei jederzeit die Hoheit über ihre Daten und entscheiden selbst, wer welche Informationen nutzen darf.
Vom Produkt zum Service: Was Servitization wirklich bedeutet
Maschinenhersteller verkaufen keine Maschinen mehr. Oder zumindest nicht nur.
Was Kunden heute erwarten, ist Verfügbarkeit, Performance, messbare Ergebnisse. Predictive Maintenance, nutzungsbasierte Abrechnung, Remote-Support, das sind keine Zukunftsszenarien mehr, sondern Anforderungen, die Hersteller bereits heute beantworten müssen.
Servitization beschreibt diesen Wandel: die Ergänzung des klassischen Produktgeschäfts durch digitale Services. Die technische Grundlage dafür ist Software Defined Manufacturing. Als Designprinzip, nicht als Nachrüstung.
Was das in der Praxis bedeutet: Maschinen müssen kommunizieren können. Über standardisierte Schnittstellen. Mit Systemen anderer Hersteller. Über Unternehmensgrenzen hinweg. Und das alles, ohne dass auf einer Seite die Kontrolle über die eigenen Daten verloren geht.
Dass genau das keine freiwillige Entscheidung mehr ist, dafür sorgt seit September 2025 der EU Data Act.
Beteiligte des EU Data Act

Der EU Data Act: Zugang zu Daten
Seit September 2025 gilt der EU Data Act vollständig. Die Botschaft ist einfach: Wer eine vernetzte Maschine betreibt, hat ein Recht auf die Daten, die sie erzeugt.
Das klingt erstmal nach einer Bedrohung für Maschinenbauer, deren Geschäftsmodelle auf exklusivem Datenzugang beruhen. Der zweite Blick lohnt sich.
Ab September 2026 müssen Betreiber Maschinendaten direkt abrufen können, ohne den Hersteller einzubeziehen. Offene Schnittstellen werden zur Pflicht. Was viele noch unterschätzen: Die Grenze zwischen Rohdaten und verarbeiteten, schutzwürdigen Analysedaten ist selten klar. Datenklassifizierung ist keine Fleißaufgabe. Sie entscheidet darüber, ob ein Unternehmen compliant ist oder nicht.
Wer den Data Act als Ausgangspunkt begreift, statt als Compliance-Last sieht, erkennt: Offene Schnittstellen sind die technische Voraussetzung für genau die Services, von denen Hersteller profitieren wollen.
Cyber Resilience Act und KI-Verordnung: Regulierung in dieselbe Richtung
Der EU Data Act ist nicht allein. Zwei weitere Verordnungen verändern die Rahmenbedingungen für Softwareentwicklung im Maschinenbau und beide ziehen in dieselbe Richtung.
Der Cyber Resilience Act (ab 2027) macht Cybersicherheit zur Pflicht für alle Produkte mit digitaler Komponente. CE-Kennzeichnung für Software, Secure-by-Design, Vulnerability Management über den gesamten Produktlebenszyklus. Wer das als neue Bürde liest, hat die Richtung der Industrie noch nicht gesehen, denn das sind Anforderungen, die in der professionellen Softwareentwicklung ohnehin Standard werden.
Die EU KI-Verordnung (gestaffelt seit 2024) verlangt Transparenz und Nachvollziehbarkeit überall dort, wo KI in Maschinen oder Produktionsprozessen eingesetzt wird. Je nach Risikoklasse mit unterschiedlicher Tiefe, aber immer mit dem Kern: Wer KI-basierte Entscheidungen trifft, muss erklären können, wie.
Diese drei Regelwerke sind keine isolierten Compliance-Aufgaben. Sie spiegeln wider, wohin sich die Industrie ohnehin entwickelt: transparenter, sicherer, datenoffener. Wer sich mit Servitization und Software Defined Manufacturing beschäftigt, wird dabei vieles wiedererkennen.
Die technische Infrastruktur: OPC UA, Verwaltungsschale, Datenräume
Offenheit braucht eine konkrete Grundlage. Im Maschinenbau spielen dabei drei Elemente zusammen und sie greifen ineinander.
OPC UA ist der etablierte Kommunikationsstandard für interoperable Maschinendaten. Er sorgt dafür, dass Maschinen unterschiedlicher Hersteller einheitlich kommunizieren können, über standardisierte Informationsmodelle, mit Sicherheitsmechanismen by design. Wichtig: OPC UA betrifft nicht nur Neuanlagen. Bestandsmaschinen lassen sich nachrüsten. Und das ist in der Praxis oft der entscheidende Schritt, denn eine vollständig standardisierte Maschinenflotte durch Neukauf allein entsteht nicht in absehbarer Zeit.
Die Verwaltungsschale, auf Englisch: Asset Administration Shell, kurz AAS, ist der standardisierte digitale Zwilling einer Maschine oder Anlage. Sie beschreibt eine Maschine als digitales Objekt: Stammdaten, technische Dokumentation, Betriebszustände, Fähigkeitsbeschreibungen. Kein proprietäres Format eines einzelnen Anbieters, sondern ein offener Standard, entwickelt von der IDTA, verankert in Manufacturing-X. Entscheidend: Die Verwaltungsschale ist keine statische Datei. Sie aktualisiert sich über den gesamten Lebenszyklus einer Maschine, von der Konstruktion über die Inbetriebnahme bis zum Service.
Datenräume und Manufacturing-X schaffen den Rahmen für einen souveränen Datenaustausch entlang der Lieferkette, ohne Abhängigkeit von zentralen Plattformen. Das Prinzip ist föderiert: Jeder Teilnehmer behält die volle Kontrolle darüber, welche Daten er teilt, mit wem und unter welchen Bedingungen.
Technisch basiert dieses Ökosystem auf offenen Standards, gemeinsamen Datenmodellen und interoperablen Schnittstellen, darunter OPC UA, die Verwaltungsschale (AAS) sowie Datenraumkonzepte aus dem Projekt Factory-X. Mit dem MX-Port-Konzept und seinen Referenzkonfigurationen Hercules, Leo und Orion zeigt Factory-X konkret, wie sich unterschiedliche Anwendungsfälle und Geschäftsanforderungen technisch abbilden lassen.

Warum ist das alles relevant?
Weil Daten allein keinen Wert schaffen. Erst wenn eine Maschine ihre Zustände standardisiert kommuniziert (OPC UA), strukturiert beschreibt (Verwaltungsschale) und Daten souverän in einem Ökosystem teilt (Datenräume), entstehen Services, die wirtschaftlich tragen.
Predictive Maintenance as a Service. Pay-per-Use-Modelle. Remote-Diagnose ohne Vor-Ort-Einsatz. Modulare Produktion, die sich per Software an wechselnde Anforderungen anpasst. Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Lieferkette. On-Demand-Fertigung über digitale Marktplätze.
Das sind keine Konzepte. Das sind die elf Use Cases, an denen Factory-X, das Leitprojekt von Manufacturing-X für den Maschinen- und Anlagenbau, gerade arbeitet. Auf genau dieser Infrastruktur.
Und das Spannungsfeld, das viele Betreiber zurückhält, Datenzugang ja, Kontrollverlust nein, löst sich in einem föderalen Ansatz auf. Maschinenbetreiber wollen ihre Produktionsdaten schützen. Hersteller brauchen genau diese Daten, um sinnvolle Services anbieten zu können. Souveräner Datenaustausch ist keine Utopie. Er ist das Designprinzip, auf dem Manufacturing-X aufbaut.
Was das für Maschinenhersteller konkret bedeutet
Die Dynamik ist längst sichtbar: Auf der Hannover Messe 2026 gehörte Manufacturing-X zu den zentralen Industriethemen. Bereits heute arbeiten laut Plattform Industrie 4.0 124 Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus 12 Branchen an föderierten Datenökosystemen und interoperablen Standards.
Die Frage ist nicht mehr, ob sich der Maschinenbau in Richtung datengetriebener Geschäftsmodelle entwickelt. Die Frage ist, wer die Infrastruktur dafür früh genug aufbaut.
Wir bei iTE SI begleiten Maschinenhersteller dabei, mit OPC UA-Implementierungen, AAS-Integration und Softwareentwicklung, die den gesamten Lifecycle im Blick hat. Nicht als Berater, die Konzepte liefern. Sondern als Entwicklungspartner, die gemeinsam mit dem Team umsetzen.
Ihr nächster Schritt:
Gemeinsam in die Zukunft starten
Die Unternehmen, die heute ihre Dateninfrastruktur aufbauen, schaffen nicht nur technische Voraussetzungen. Sie definieren, welche Rolle sie künftig in digitalen Wertschöpfungsnetzwerken spielen werden.
Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch.
Wolfram Schäfer
Geschäftsführer iT Engineering Software Innovations





